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Muster, Handwerk und Graffiti

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Zwei Schablonen liegen auf farbenfrohen Hintergründen aus Sprayfarbe. Die obere zeigt ein stilisiertes Blumenmotiv mit Blättern, die untere ein abstraktes Design, das an Blätter oder Flügel erinnert. Die Farben im Hintergrund reichen von Rot und Gelb bis zu Violett und Blau.

Am 11. September 2025 wurde im Rahmen der Veranstaltung „Handwerk im Museum“ die Publikation Kaleidoskop der Dinge. Muster. Sammeln. Sichten. Gestalten im Stadtmuseum Hollabrunn "Alte Hofmühle" vorgestellt. Die Präsentation rückte historische Sammlungen, zeitgenössische Kunst und die Bedeutung von Mustern als kulturelles Erbe in den Fokus.

Museumsleiterin Patrizia Mantler-Stockinger freute sich ganz besonders über den Besuch von Horst Mattula mit seiner Familie. Viele der gezeigten Habaner-Objekte und archäologischen Funde stammen aus der Sammlung seines Großvaters Ludwig Mattula. Diese ging im Jahr 1905 an das Stadtmuseum über und wurde1928 erstmals öffentlich präsentiert. Zuletzt waren Teile der Habaner-Sammlung 1967 bei einer Keramikschau in Wien zu sehen.

 

Gerhard Hasenhündl führte durch das Museum, bevor Christa Stegen vom Museumsmanagement Niederösterreich den Bogen von historischen Objekten zur zeitgenössischen Kunst spannte. Sie zeigte auf, wie florale Motive und Alltagsszenen der Habaner-Keramik in aktuellen Graffiti-Projekten verwendet werden. Sie betonte die Bedeutung der Digitalisierung für das Erkennen von Ähnlichkeiten und das Finden von überregionalen Verbindungen – gerade auch, um das reichhaltige kulturelle Erbe sichtbar zu machen, das sich in den Sammlungen vieler Regionalmuseen findet.

Von der Keramik in die Sprühdose

Für die Motivauswahl der Habaner-Keramik waren florale Muster sowie Handwerk- und Alltagsszenen sehr beliebt, manchmal auch mit Sprüchen kombiniert. Kräftigen Blau- und Gelbtönen auf weißem Grund waren ganz typisch und sorgten für einen hohen Wiedererkennungswert. Dieses Grundschema hatte die Graffiti-Künstlerin Sarah Kupfner aufgegriffen: In Workshops mit Jugendlichen wurden von den Mustern ausgehend Skizzen und Schablonen erstellt, mit denen Ornamente, Formen und Farben der traditionsreichen Keramiken mit Spraydosen auf Leinwände gebracht wurden. Es entstanden neue Graffiti-Kunstwerke, die Parallelen zu den historischen Objekten erkennen ließen. Bei der Buchpräsentation nutzten nun auch viele Besucher*nnen unter der Anleitung der Künstlerin die Möglichkeit, die Schablonen für eigene Graffiti auf Papier zu sprayen und mit eigenen Werken nach Hause zu gehen.

 

Kaleidoskop: Schönes sehen

Das Wort „Kaleidoskop“ ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Schönes sehen“. Dementsprechend widmen sich die Beiträge im „Kaleidoskop der Dinge“ der Frage, wie immaterielles Kulturerbe in historischen Sammlungen sichtbar wird. Im Mittelpunkt stehen handwerkliche Muster und Schablonen, die Einblicke in die Entwicklung verschiedener Gewerke geben. Internationale Einflüsse, Ornamentik und die Rolle der Digitalisierung werden ebenso beleuchtet wie die Nutzung überlieferter Muster im heutigen Handwerk.

Neun Beiträge zeigen die Vielfalt musealer Sammlungen – von Metallverarbeitung über Keramik bis zu Textil- und Webmustern. Beispiele aus dem 5-Elemente Museum Waidhofen/Ybbs, dem Wilhelmsburger Geschirr-Museum und der Walzengravieranstalt Guntramsdorf verdeutlichen, wie historische Formen und Muster heute neu interpretiert und dokumentiert werden.

Das Buch „Kaleidoskop der Dinge“ ist auf Deutsch und Slowakisch erschienen.
Es ist im Stadtmuseum Hollabrunn und beim Museumsmanagement Niederösterreich zum Preis von € 10,89 (zzgl. Versandkosten) erhältlich.

 

Text: Patrizia Mantler-Stockinger, Museumsmanagement Niederösterreich