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„Ice-Age“-Künstler und Meister der Urzeit

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Wenn Manni, das Mammut von „Ice Age“ ebenso verträumt in die Schneewüste blickt wie die Mammuts aus einem Ölbild von Zdenĕk Burian, so ist das kein Zufall. Niemand hat unseren Blick – und den der Animationsfilmindustrie – auf die prähistorische Zeit so sehr beeinflusst wie er. Wenn wir uns vorstellen, wie Neandertaler in Abendstimmung beim Feuer sitzen, dann sehen wir sie mit dem Blick des tschechischen Malers. Seine Bilder finden sich in Kinderbüchern, Lexika und Abenteuerromanen, in wissenschaftlichen Abhandlungen und Museen. Und werden Bilder dieser Art heute nicht mehr gemalt, so beeinflussen sie weiterhin Filmindustrie und 3-D-Modelle der neuen Medien.  

Zdeněk Burian wurde 1905 in Kopřivnice in Nordmähren geboren. Er besaß ein ungewöhnliches Mal- und Zeichentalent, daher wurde er mit 14 Jahren auf die Prager Akademie der bildenden Künste direkt in den zweiten Jahrgang aufgenommen. Sein Lehrer war der renommierte Maler Max Švabinský (1873–1962). Mit 16 Jahren illustrierte Burian sein erstes Buch. Die meisten tschechischen Ausgaben der Abenteurerliteratur sind von ihm bebildert: Bücher von Jules Verne, Karl May, Rudyard Kipling, Jack London, Daniel Dafoe, Robert Louis Stevenson.

Es ist die unbedingte Liebe zum freien Blick auf den Himmel, zur Wärme des Lagerfeuers, zu Jägern und Sammlern, die sich durch Zdeněk Burians Werk zieht. Dies ist eine zutiefst tschechische Liebe. Nirgendwo in Europa haben nordamerikanische Indianer, Trapper und überhaupt Abenteurer aller Art eine bessere Heimat gefunden als in Tschechien. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs drangen die Gedanken von Ernest Thompson-Seton in die Tschechoslowakei vor, der Autor von Naturerzählungen und Mitbegründer der amerikanischen Pfadfinderbewegung. Auch Zdeněk Burian war ein echter Prager Cowboy. Schon als Jugendlicher entfloh er dem Elternhaus und suchte fahrende Roma in die Ostslowakei auf. Zurück kam er mit Skizzen und Bildern.

Kunst trifft Wissenschaft

Als er 1935 den Paläontologen Josef Augusta kennen lernte, begann eine äußert glückliche Symbiose. Die Urgeschichte wurde durch Zdeněk Burian nicht nur farbig, sondern auch lebendig. Augusta lehrte dem Maler genaue Kenntnisse der Anatomie und seine wissenschaftlichen Skizzen in fachlich fundierte Malereien umzusetzen. Mit Resten von Dinosaurierknochen, mit Schädeln eines Homo erectus und Mammutzähnen erschufen der Wissenschaftler und der Künstler die Urzeit neu. Kein Detail wird vergessen, Burian schmückt die Behausungen unserer frühen Vorfahren so, dass wir beinahe Sehnsucht nach einem Leben vor 23.000 Jahren bekommen könnten. Die Zusammenarbeit mit Geologen, Archäologen und Anthropologen war fruchtbar.

Burian hatte sich auch als Comiczeichner versucht und dabei den Charakter der „Octobriana“ als völlig unpolitische Amazone entwickelt. Nur das wollte man dem Meister in der politischen Kälte nach dem Prager Frühling nicht mehr so recht glauben. Der Ruhm des Meisters der Urzeit aber ließ sich nicht aufhalten. Längst war Zdenek Burian – obwohl von der Welt durch den Eisernen Vorhang getrennt – weltberühmt. Seine Bilder kamen zu Ausstellungen in die USA und nach Japan. Insgesamt hinterließ Burian 1.000 Ölmalereien, mehrere Hundert Gouachen, Temperabilder, Pastellkreidezeichnungen und rund 15.000 Federzeichnungen. Die Kunstwerke können in Büchern und auch in Museen der Region bewundert werden und geben einen Eindruck von Burians Urzeit.

 

Autorin: Mella Waldstein