♪ Gottfried meets Jazz ♪
Eine digitale Ausstellung der Reihe " ♪ Orte der Musik ♪ ":
Am 13. Juni 2026 lädt Oberdürnbach zu einem besonderen Konzerterlebnis ein: Unter dem Motto „gottfried meets jazz“ verbindet das traditionelle Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch Festival erstmals klassische Musik mit Jazz und Improvisation.
Ein Komponist von internationaler Bedeutung: Gottfried von Einem
Der 1918 in Bern geborene Gottfried von Einem wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem „Giganten der gemäßigten Moderne“. Wie kaum ein anderer dominierte er nicht nur die Österreichische, sondern auch die Internationale Aufführungsstatistik, und soll laut Hinweisen eines Verlegers sogar kurzfristig der meist gespielte zeitgenössische Komponist seiner Generation gewesen sein.
Mit seinen Opern Dantons Tod (die 1947 im Rahmen der Salzburger Festspiele uraufgeführt seinen internationalen Durchbruch begründete), Der Prozess, Der Zerrissene, Der Besuch der alten Dame, Kabale und Liebe, Jesu Hochzeit (die 1980 zu einem veritablen Theaterskandal führte) und Tulifant bereicherte er das Musiktheater ebenso wie mit seinen Balletten, von denen sein Schaffen seinen Ausgang nahm. Prinzessin Turandot (sein Opus 1, uraufgeführt 1944 in Dresden), Rondo vom goldenen Kalb, Pas de coeur, Glück, Tod und Traum bzw. Medusa wurden zu Repertoirewerken von namhaften Ballettensembles. Insbesondere Rondo vom goldenen Kalb wurde etwa an der Wiener Staatsoper in mehreren choreographischen Fassungen so häufig gezeigt, bis die Kostüme de facto nicht mehr zu verwenden waren.
Doch auch dem Konzertsaal und der Kirche galt sein Schaffen, wobei es schwerfällt, aus seinen insgesamt 112 Opus Nummern weiteres einzeln herauszugreifen. Besonders reichhaltig zeigt sich sein Schaffen auf dem Gebiet des Kunstliedes mit zahlriechen Liederzyklen und am Sektor der Kammermusik mit beispielsweise fünf Streichquartetten. Im Rahmen seiner symphonischen Werke, darunter die Philadelphia Symphony, die Kantate An die Nachgeborenen oder sein Konzert für Violine und Orchester erreichte er weitere Gipfelmomente seines Schaffens.
Gottfried von Einem zeichnet sich vor allem durch seinen unverwechselbaren Charakter (so wurde er 2002 posthum mit dem Ehrentitel Gerechte/r unter den Völkern ausgezeichnet) und seine enorme Persönlichkeit aus, die auch seine musikalische Sprache prägt. So verfolgte er lebenslang ein an einer Neuinterpretation der Tonalität orientiertes Klangbild, das aus heutiger Sicht und damit in einer Zeit, in der sich die so genannte Konsonanz in vielen Bereichen des Musikschaffens wieder re-emanzipiert hat, eigenwillig konsistent wirkt.
Ruhe und Inspiration fand er vor allem im Wald- und im Weinviertel, wohin er sich zusammen mit seiner zweiten Gattin, der bekannten Autorin Lotte Ingrisch (1930 – 2022) gerne zurückzog: Sowohl in Rindlberg (Gemeinde Bad Großpertholz) wie im ehemaligen Schulhaus in Oberdürnbach (dem heutigen Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch Museum; Stadtgemeinde Maissau), wo er 1996 auch verstarb, entstanden bedeutende Kompositionen.
Ist es 2026, in seinem 30. Todesjahr, um den Komponisten auch ruhiger geworden, so gilt und lohnt es, ihn und sein Werk wieder neu zu entdecken!
Neue Klangräume zwischen Klassik und Jazz
Mit seinen Kompositionen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer der gewichtigsten österreichischen Stimmen im internationalen Konzert wurden, begeisterte Gottfried von Einem sein Publikum, von jazzigen Klängen wiederum ließ er sich begeistern. 2026, in seinem 30. Todesjahr, geht das ihm gewidmete und von seiner Witwe Lotte Ingrisch (1930-2022) in Oberdürnbach ins Leben gerufene Festival „Melos und Logos“ unter neuem Titel neue Wege und widmet sich eben dieser Verbindung zum Jazz. Waren die bis dahin „unerhörten Klänge aus Amerika“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts von geradezu „revolutionärer“ Wirkung auf die europäische Kunstmusik, ließen sich sowohl von Einem selbst wie auch einige seiner engsten Weggefährten und Freunde – darunter auch sein Mentor Boris Blacher – verschiedentlich vom Jazz beeinflussen und inspirieren. Darius Milhaud (1892-1974) – um einen ganz besonders namhaften Komponisten aus jener Gruppe persönlicher Bekannter und Freunde Gottfried von Einems zu nennen, die sich dem Jazz in besonderer Weise zuwandten – bedachte sogar die Ballettbühne mit jazzigen Klängen.
Diese Begeisterung und Vitalität strahlt auch das Programm des Festivals 2026 aus. Schwungvoll wird mit lebendigen Jazz-Improvisationen auf Werke von Gottfried von Einem reagiert. Preziosen von Milhaud, der amerikanischen Jazz-Pionierin Margaret Bonds (1913-1976) sowie der preisgekrönten australischen Komponistin Rósa Lind Page ergänzen das Programm zu einem musikalischen Feuerwerk, das mit einem geselligen Beisammensein im Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch Museum seinen stimmungsvollen Ausklang finden wird.
Mit Starpianistin Monika Herzig und der Ö1 Jazzstipendiatin Nina Feldgrill (E-Bass) sowie Anna Keller (Saxophon) und Teresa Müllner (Schlagzeug) ist ein internationales Spitzenquartett des Jazz am Start. Sopranistin Loes Cools, Pianist Robert Lehrbaumer, der einige Werke Gottfried von Einems auch zur Uraufführung gebracht hat, und Oliver Peter Graber, der zudem für die künstlerische Gesamtleitung verantwortlich zeichnet, komplettieren die namhafte Liste. Marcus Ratka, Rektor der JAM Music Lab Private University für Jazz und Popularmusik Wien, die ebenfalls erstmals mit dem Festival kooperiert, hält die Laudatio.
Dieser frische und jugendliche Wind in Oberdürnbach durchzieht das Festival. So freut man sich über die neue Kooperation mit lokalen Schulen und über reduzierte Eintrittspreise für Schüler*innen, womit sich das heurige Festival, das wie gewohnt unter dem Ehrenschutz von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und den Wiener Philharmonikern steht, auch besonders für Familien eignet. Während der Pause und im Anschluss an das Konzert ist das Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch Museum geöffnet und kann besichtigt werden. Der abendliche Ausklang findet auf der Museumsterrasse statt.
Text: Oliver Peter Graber
von einem/ingrisch 26: gottfried meets jazz
- 13. Juni 2026, 17 Uhr
- Kirche zur heiligen Katharina, Oberdürnbach
- Programm (Download .pdf)
- Eintritt: € 35,- p.P.; Schüler*innen € 25.-
- Kartenreservierung und weitere Informationen: Stadtgemeinde Maissau




