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Franz Kafka und Josef A. Schumpeter - Söhne der Industrie

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Zwei Fahnen im Freien zeigen Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta. Im Hintergrund sind Bäume und blauer Himmel zu sehen.

Das Museum Alte Textilfabrik in Weitra widmet sich gemeinsam mit dem tschechischen Partner aus Třešť einem ungewöhnlichen Thema. Zwei herausragende und weltweit gefeierte Persönlichkeiten, der Dichter Franz Kafka und der Ökonom Josef A. Schumpeter, werden zueinander in Beziehung gesetzt.
Was zunächst sehr akademisch klingt, erweist sich in diesem Projekt als brisantes Thema: Wohin führt uns der Kapitalismus? Und was geschieht mit dem Menschen in einer sich dramatisch ändernden Arbeitswelt? – Fragen, die sich Schumpeter und Kafka vor 100 Jahren aus unterschiedlichen Blickwinkeln gestellt haben.

Mit zwei bemerkenswerten Ausstellungen in Weitra und Třešť, einem Workshop für Jugendliche im Rahmen der Jungen Uni in Raabs und einer hochkarätigen Podiumsdiskussion in Weitra widmet sich Museumsdirektorin Brigitte Temper-Samhaber im EU geförderten Interreg-Kleinprojekt „Franz Kafka und Josef A. Schumpeter – Söhne der Industrie“ ausführlich dem Thema des Menschen im Kapitalismus.

 

Was verbindet Kafka und Schumpeter?

Beide stammen aus Textilunternehmerfamilien, beide haben Bezug zur Stadt Trešť, beide wurden weltbekannt, scheiterten aber als Unternehmer. Und: Sie haben sogar das Jahr ihrer Geburt gemeinsam: 1883 – der Höhepunkt der industriellen Revolution!

Josef A. Schumpeter ist in Třešt´ geboren, absolvierte seine Ausbildung in Wien, wurde jüngster Professor der Monarchie, Professor in Czernowitz, Graz und Wien, dann in Harvard. In seiner Wirtschaftsanalyse nehmen der innovative Unternehmer und die Unternehmerfamilie eine zentrale Funktion ein.

Franz Kafka stammte wie Schumpeter aus einer Textilfabrikantenfamilie, er selbst war als Unternehmer wenig erfolgreich. Als Angestellter der “Arbeiter-Unfall-Versicherung” erhielt er bei seinen Betriebsbesuchen allerdings tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag der Fabriksarbeiter und setzte sich immer wieder für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein. Kafka verbrachte viele Sommer bei seinem Lieblingsonkel Sigismund, dem „Landarzt“ in Trešť.

 

Sonderausstellung im Museum Alte Textilfabrik

Mit der von Brigitte Temper-Samhaber gestalteten Ausstellung gelingt der Spagat zwischen Wissenschaft und unterhaltsamer, anschaulicher Vermittlung.
Großflächige zweisprachige Schautafeln in Industriegrafik werden ergänzt durch kleine Objekte, die in einer wirkungsvollen Inszenierung ein beeindruckendes Raumerlebnis ergeben. Dazu gehören unter anderem die alte Nähmaschinen aus der ehem. Textilfabrik RESPO in Weitra, aus der rote Stoffe zu fließen scheinen, oder ein historisches Radiogerät, in dem Filmaufnahmen aus dem Wien der 1920er Jahre zu sehen sind.

In der Ausstellung wird das Interesse am Lesen geweckt, denn neben den Ausstellungstafeln etwarten die Besucherinnen und Besucher auch kleine Büchlein mit Kurztexten zum Schmökern.

Wander- und Dauerausstellung, Workshop und Diskussion

Eine abgeleitete Freiluft-Ausstellung des Museums in Weitra mit 12 Schautafeln ist noch bis 11. August im malerischen Garten der jüdischen Synagoge in Třešt´zu sehen. Der Projektpartner, das Museum Vysočina mit der Dependance in Třešť, hat diese wunderbare Präsentation ermöglicht. Ab Herbst wird im Geburtshaus Schumpeters in Třešť eine umfassend neu gestaltete Ausstellung, die dem großen Ökonomen gewidmet ist, der Öffentlichkeit präsentiert.
 

Hop on – hop off-Workshop

Den Versuch, dieses Thema auch Jugendlichen zu vermitteln, werden Brigitte Temper-Samhaber und der Historiker Thomas Samhaber am ersten Tag der Jungen Uni Waldviertel-Vysočina  (3.-8. August 2025) in Raabs unternehmen. In einem Kommen und Gehen können junge Menschen in die Wirtschaftsgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts eintauchen.

Neben der Eröffnung in Třešť wird eine hochkarätige Podiumsdiskussion in Weitra am 25. September 2025 das Projekt abschließen. Dabei diskutiert Univ. Prof.in Dr.in Andrea Komlosy, Professorin für Wirtschaftsgeschichte. mit dem Schumpeter Experten Ing. Petr Jiříček, Ph.D., über die Relevanz von Schumpeters Theorien anhand der gegenwärtigen globalen Probleme.

 

Text: Thomas Samhaber

 


Das Projekt wird im Rahmen des Programms Interreg als Kleinprojekt (SPF-01-002) in Kooperation mit dem Schumpeterhaus in Třešť (Muzeum Vysočina) durchgeführt.

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