Die historischen Schönheiten der südmährischen Stadt Znaim
Vor 800 Jahren, im Jahr 1226, wurde Znaim/Znojmo zur Stadt erhoben. Dank ihrer strategisch wichtigen Lage bietet sie heute zahlreiche Denkmäler, historische Ensembles und imposanten Kirchen.
Wir stellen einige der besuchenswerten Orte in der Stadt vor, die auch Ausgangspunkt des Pilgerweges zur Basilika Maria Dreieichen in Niederösterreich ist.
Zur Geschichte der Stadt
Bereits in der großmährischen Zeit (8.–10. Jahrhundert) war Znaim das Zentrum eines großen Gebietes. Es befand sich an der Stelle des heutigen Pöltenbergs (Hradiště). Nach der Angliederung Mährens an Böhmen wurde es zu einem der Sitze der mährischen Přemysliden. Ende des 11. Jahrhunderts wurde die Znaimer Burg mit der berühmten Fürstenrotunde auf einem Felsvorsprung über dem Zusammenfluss der Thaya (Dyje) und des Granitzbaches (Gránický potok) errichtet.
Vor 1226 wurden die Siedlungen am Rande der Burg von König Ottokar I. Přemysl in eine neu gegründete Stadt mit Stadtmauer, die erste ihrer Art in Südmähren, eingegliedert. Die Stadt diente als Handelszentrum und als Festung, die die Macht und Stärke der böhmischen Könige bis ins späte Mittelalter demonstrierte. Die Zeit der Renaissance prägte die Stadt am deutlichsten. Der Dreißigjährige Krieg ließ die Bedeutung von Znaim für viele Jahrzehnte in den Hintergrund treten. Erst mit dem Aufschwung der Bürgergesellschaft und dem Bau der Nordwestbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer bedeutenden Wiederbelebung der Stadt. Vor dem Ersten Weltkrieg war Znaim das wohlhabendste Zentrum nördlich der Metropole Wien. Die sehr erfolgreichen Anfänge des Fremdenverkehrs in der Stadt sowie der Aufschwung der Produktion der berühmten Znaimer Gurken fallen in die gleiche Zeit. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ging die Bedeutung von Znaim jedoch stark zurück. Die periphere Lage an der bewachten Grenze und die Umleitung der Hauptverkehrswege nach Österreich über Mikulov (Nikolsburg) und Břeclav (Lundenburg) trugen dazu bei. Der Bau der Znaimer Talsperre in den Jahren 1964–1966 zerstörte auch einen der Besuchsmagneten – das berühmte natürliche Flussschwimmbad. Erst mit dem Einzug der Freiheit und des neuen Jahrhunderts erlebt Znaim wieder einen Aufschwung.
Rotunde der Jungfrau Maria und der Heiligen Katharina auf der Znaimer Burg
Nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik, das eines der ältesten erhaltenen künstlerischen und architektonischen Zeugnisse der tschechischen Staatlichkeit darstellt. Sie wurde an einer dominanten Stelle inmitten der Znaimer Přemyslidenburg errichtet, die im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts von den mährischen Fürsten Konrad I. von Brünn und seinem Sohn Lutold gegründet wurde. Der Innenraum wurde mit einzigartigen Fresken geschmückt, die typischerweise von der zeitgenössischen Kunst des byzantinischen Hofes inspiriert sind. Inhaltlich sollten sie wahrscheinlich die dynastischen Ansprüche der Přemysliden von Znaim auf den böhmischen Fürstenthron in Prag demonstrieren. Im Hochmittelalter wurde die königliche Kapelle von den Klarissen aus dem Vorburgbereich betreut.
Im 16. Jahrhundert ging das Patronat an die Stadt Znaim über und die Rotunde begann zu verfallen. Später wurde sie desakralisiert und praktisch genutzt – als Tanzsaal mit Schankraum, Werkstatt, sogar als Stall.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Rotunde mit Gebäuden der expandierenden Schlossbrauerei umbaut. Damals wurde jedoch glücklicherweise von mehreren Experten auf die historische Bedeutung des Gebäudes hingewiesen. Die historisch einmaligen Fresken wurden daraufhin mehrfach restauriert.
Im Jahr 2006 wurde die Rotunde neu eingedeckt.
Die Ruinen der Klosterkirche der Franziskaner Minoriten Mariä Himmelfahrt
Im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts ließ sich der Bettelorden der Minoriten mit Zustimmung von König Wenzel I. auf dem befestigten Vorhof der Znaimer Burg nieder. Wenzels Sohn Přemysl Ottokar II. brachte den weiblichen Ordenszweig, die Klarissen, zu den Minoriten und gründete so ein monumentales Doppelkloster mit der gemeinsamen Kirche „Zur Muttergottes“. Der Leichnam von Přemysl Ottokar II., den die Wiener Minoriten nach der Schlacht auf dem Marchfeld (1279–1297) nach Znaim brachten, ruhte hier achtzehn Jahre lang in der Krypta der Kirche.
Im Jahr 1534 wurde das Kloster von den Franziskaner-Observanten übernommen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte das Kloster einen großen Aufschwung. Die Kirche wurde teilweise barockisiert und von den frommen Znaimer Bürgern reichlich unterstützt. Nach der Klosterauflösung unter Kaiser Joseph II. wurden die Gebäude teilweise praktischen Zwecken im Dienste des Staates angepasst. Große Teile des Klarissenklosters und der Kirche wurden abgerissen.
Seit 1949 werden die Gebäude des Minoritenklosters vom Südmährischen Museumin Znaim genutzt.
Dekanatskirche St. Nikolaus
Sie ist ein markantes Wahrzeichen von Znaim, das zusammen mit dem Rathausturm in fast allen Ansichten der Stadt zu sehen ist. Die Widmung an den heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Kaufleute, hängt mit der vorstädtischen Händlersiedlung Újezdec (Aujestetz) zusammen, die in der Nähe der Kirche seit dem späten 11. Jahrhundert bestand.
Der Name des heiligen Nikolaus erscheint bereits um 1100 auf Münzen des Znaimer Fürsten Lutold. Die ursprüngliche romanische Kirche wurde 1190 von Fürst Konrad Otto der neu gegründeten Abtei von Louka (Klosterbruck) geschenkt.
Die Kirche fiel den großen Stadtbränden im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts zum Opfer, so dass die Klosterbrucker Obrigkeit eine völlig neue Kirche bauen musste. Ihr architektonischer Ausbau erfolgte in mehreren Etappen im 14. und 15. Jahrhundert.
Der Hauptteil der Kirche hat die Form einer hohen dreischiffigen Halle, die durch massive zylindrische Säulen geteilt wird. Im Dezember 1437 wurde der Leichnam von Kaiser Sigismund von Luxemburg in der Kirche öffentlich zur Schau gestellt.
Das Innere der Kirche wurde in der Barockzeit umgestaltet (Altäre und Skulpturen) und einige Seitenkapellen wurden umgebaut. Im Altarraum fallen dem Besucher die einzigartigen gotischen Fresken, der Tabernakel und die Skulptur des gefolterten Christus an der Geißelsäule auf.
Der Hauptaltar ist barock und trägt das Bild des heiligen Nikolaus sowie Statuen der Landespatrone – des heiligen Wenzel von Böhmen und des heiligen Leopold von Niederösterreich sowie der Slawenapostel Kyrill und Method.
Erwähnenswert sind auch die interessante barocke Kanzel in Form einer Weltkugel und die neugotische Orgel auf der Empore. In der barocken Seitenkapelle des Jesukindes befindet sich ein wundertätiges Bild der Muttergottes Mariahilf, eine Nachbildung der berühmten Muttergottes von Passau. Es hing früher über dem Altar der EmpireKapelle am Marienplatz, die 1952 in kommunistischer Zeit abgerissen wurde.
Der Turm der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gehört zu den jüngsten Teilen der Kirche, an die er unkonventionell von der Ostseite, d.h. hinter dem Chor, angebaut wurde.
weiterführende Links:
- 800 Jahre Znaim/Znojmo
- Südmährisches Museum Znaim - Minoritenkloster
- Website der Stadt Znaim/Znojmo
- aktuelle Veranstaltungen in Znaim/Znojmo
TIPP:
Begeben Sie sich von Znaim aus auf den Pilgerweg nach Maria Dreieichen und entdecken Sie entlang des Weges historische Denkmäler und Marterl, Kirchen und Museen sowie wunderbare Aussichten und Naturlandschaften!
- Zur Publikation: Pilgerweg Znaim nach Maria Dreieichen
- Online-Klick in die Schatzkammer Maria Dreieichen
- Informationen zum KPF Projekt Znaim-Maria Dreieichen







